Beim Thema Internetbrowser bin ich ein ziemlich schwieriger Fall. Der Internet Explorer war bis zur Version 6 mein Favorit. In dieser Zeit gab es für ihn auch mehrere Aufsätze mit Tabbed Browsing (Maxthon, Avant Browser), die mir aber zu bunt und teilweise auch zu überladen waren. Mein Wunsch war ein Tabbed-IE, der von der Menüstruktur und der Oberfläche wie der Internet Explorer ausschaut und sich auch so bedienen lässt – nur halt mit Registerkarten.
So entstand im Sommer 2003 mein eigener Browseraufsatz unter dem Namen Tabbie. Ich wollte das Programm eigentlich auch veröffentlichen. Aber schon im Betatest stellte sich heraus, dass sich meine Ansprüche von denen der Tester unterschieden. Ich wollte einfach nur einen einfachen getabbten IE mit Mausgesten und keine Software, die funktionell mit den anderen Browseraufsätzen konkurrieren kann. So hatte Tabbie nur eine kurze halböffentliche Lebensphase und blieb trotzdem mein Standardbrowser.
Zwischendurch habe ich immer wieder über den Tellerrand geschaut. Firefox hatte lange Zeit Probleme, sich angemessen in die Windows-Umgebung einzufügen. Der Internet Explorer kannte ab der siebten Version zwar auch Tabs, die neue Oberfläche konnte mich aber auch nicht begeistern. Dazu kam der Zwang, ständig alle Lesezeichen mit FavIcons präsentiert zu bekommen. Jeder Webseiten-Anbieter möchte seine Seite mit einem FavIcon besonders hervorheben. Allerdings bezweifle ich, dass dies noch im Zusammenspiel mit 10 anderen Symbolen im gleichen Menü Wirkung zeigt. Auch hat man als Anwender keinen Einfluss auf diese Symbole und muss nehmen was kommt. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, diese Funktion im Internet Explorer zu deaktivieren.
Opera war immer mein heimlicher Favorit, hatte aber in meinen Augen einen großen Makel. Es war ziemlich umständlich, mal temporär aufgerufene Adressen aus der Adressliste zu bekommen. Für mich ist die Adressliste eine Art von täglichen Favoriten und daher auch nicht besonders lang. Andere einmalig aufgerufene Seiten müssen da nicht unbedingt drin bleiben.
Seit einer knappen Woche teste ich die neue Version 10.5 von Opera und bin schwer begeistert. Die Einbindung in Windows 7 ist von den Sprunglisten bis zur Tab-Vorschau in der Taskleiste sehr gut gelungen. Auch die Oberfläche fügt sich toll in Aero ein. Einträge in der Adressliste lassen sich per Mausklick schnell löschen, die Liste selbst wird sehr elegant gezeichnet. Ein optisches Highlight ist auch die Markierung des aktuellen Treffers beim Durchsuchen einer Seite.
Das alles ist Grund genug, Tabbie nach knapp sieben Jahren nun endlich in den verdienten Ruhestand zu schicken. Ab sofort ist Opera mein neuer Standardbrowser.