Bis vor zehn Jahren musste sich ein Dateimanager hauptsächlich mit lokalen Laufwerken und mit Netzwerklaufwerken herumschlagen, dazu kam noch etwas Archivunterstützung und Zugriff auf FTP-Server. Windows 95 führte zwar das Konzept der virtuellen Ordner ein, diese bezogen sich aber mehr oder weniger auf Elemente, die ein Dateimanager nicht unbedingt ansprechen musste (z.B. Systemsteuerung oder Arbeitsplatz).
Seit Windows XP aber nimmt die Anzahl der Geräte zu, die sich ohne Laufwerksbuchstaben direkt in den Explorer einbinden. Damit steigen natürlich auch die Anfragen der Anwender, warum SpeedCommander nicht auf bestimmte Digitalkameras oder MP3-Player zugreifen kann, obwohl diese ja im Arbeitsplatz angezeigt werden. Zudem basiert das mit Windows 7 eingeführte Bibliothekskonzept ebenfalls auf virtuellen Ordnern. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch deswegen nachgefragt wird.
Ich habe schon länger (eigentlich seit SpeedCommander 4) darüber nachgedacht, wie man die Anzeige von virtuellen Strukturen mit der Anzeige der realen Dateistrukturen verbinden kann. Anfangs stand die Idee, neben der bisherigen Ordneranzeige für lokale Laufwerke und das Netzwerk einfach zusätzlich noch eine Exploreransicht einzubauen. Das hätte aber den großen Nachteil, dass sich der Anwender immer in zwei Parallelwelten bewegen müsste.
Mitte Januar kam mir dann bei der Entwicklung der neuen Listenansicht die Idee, wie man den gordischen Knoten auflösen könnte. Die bisherigen zwei Fensterimplementationen für die lokalen Laufwerke und die Netzwerkumgebung werden zu einer fusioniert und diese dann zusätzlich um die Fähigkeit ergänzt, auch Ordner im Shell-Namensbereich anzeigen zu können. Der Übergang in die bisher gewohnte dateisystemorientierte Anzeige erfolgt dabei über die lokalen Laufwerke im Arbeitsplatz sowie über die Netzwerkumgebung. Alles andere wird in der von Windows vorgegebenen Struktur angezeigt, Digitalkameras, MP3-Player und Papierkorb eingeschlossen.
Für die Baumansicht bedeutet dies, dass nun der Desktop die oberste Ebene ist und alle lokalen Laufwerke wie im Explorer innerhalb einer Struktur angezeigt werden (was auch schon öfters gewünscht wurde). Allerdings gibt es hier auch eine Funktionskürzung. Archive werden in Zukunft nicht mehr im Baum angezeigt. Die durch die kombinierte Ansicht ohnehin schon gewachsene Komplexität hätte sich damit noch einmal deutlich erhöht.
Anzeige und Navigation in Baum- und Listenansicht sind weitgehend fertiggestellt, ebenso Brotkrumennavigation und Hintergrundaktualisierung. Einige Stolpersteine habe ich schon umschifft, andere liegen noch vor mir. Dazu gehören mit Sicherheit auch die Dateioperationen, die bisher ausschließlich auf Dateisystemfunktionen basieren.
Aus der anfangs geplanten Verbesserung vieler kleiner Sachen ist nun doch eine ziemlich große Neuprogrammierung grundlegender Funktionen geworden. Das bisherige Fundament ist schon etwas älter, es stammt noch von SpeedCommander 9. Da tut eine Aktualisierung auch mal ganz gut.
Um auf das Bilderrätsel zurückzukommen: Die 0 steht, wie ihr schon richtig vermutet habt, tatsächlich für den Desktop und damit für den Shell-Namensbereich.

Du bist halt doch immer wieder für Überraschungen gut
Ich freu mich schon auf die erste SC13 Version zum testen…